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H Die verlorenen Kinder

Dienstag, 29. September 2009

BEd.

Soeben gefunden in ph-online......

bachelorergebnis1
Das bedeutet: Die erlebten Geschichten und die daraus gezogenen Erkenntnisse sind für wissenschaftlich haltbar befunden und mit "Sehr Gut" beurteilt worden. Ich zitiere also sinngemäß aus einer wissenschaftlichen Arbeit:

"Die JASG und BAG 30 Maßnahmen erfüllen ihr Ziel nicht, sondern verstetigen den Misserfolg. Von den drei größten Anbietern ist Weidinger und Partner der einzige, der anständig ist und wirklich etwas für die Jugendlichen tut. Die beiden anderen - ein Standort von JAW und und ein Standort vom bfi, siehe Beispiele in der Arbeit."

Bert Brecht: „Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.“

Link zu den ersten Seiten der Arbeit, Rest gern bei mir zu beziehen!
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Mittwoch, 26. August 2009

Meine Bachelorarbeit - den "Verlorenen Kindern" gewidmet

Und hier die ersten Seiten der Bachelorarbeit.....

deckblatt-ba

Widmung-Bachelorarbeit

kurzzusamenfassung

inhaltsverz-erste-seite

Inhaltsverz-zweite-seite


Danke, dass ich Euch begleiten durfte
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Freitag, 10. April 2009

Erstes Exposee Bachelorarbeit, mittlerweile bin ich schon am Schreiben, eingegrenzt wurde auf Themenbereich 2

Präambel

Im Jahr 2000 begann ich (wegen der Idee, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu müssen) mit der tageweisen Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen. (Maßnahmen nach dem Jugendausbildungssicherungsgesetz JASG, wo Jugendliche eine Ersatzlehre antreten können und dafür zwischen 150,- und 550,- Euro Unterstützung bekommen)
Dies bot sich an, weil ich im Grundberuf Lehrerin bin, allerdings diesen Beruf zugunsten einer Karriere in der Wirtschaft schon 1987 aufgegeben hatte. Vormals Managerin bei Xerox bin ich seit 1997 Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Organisationsentwicklung, Trainerin mit dem Schwerpunkt Verkauf und Lehrtrainerin junger TrainerInnen.
Da das AMS die Ausschreibungsbedingungen vor zwei Jahren geändert hat (man muss eine Lehre absolviert haben, um Fachausbildung geben zu dürfen, bzw eine kfm. Schule besucht haben) konnte ich in der Fachausbildung nicht mehr eingesetzt werden, aber bin nunmehr als Lehrkraft für den „pädagogischen Zusatzunterricht“ geeignet und eingesetzt.
Das bedeutet, dass ich bis zu fünf unterschiedliche Gruppen von Lehrlingen zwischen 15 und 20 Jahren, in unterschiedlichen Ausbildungszweigen (Gärtner, Floristen, Köche, Bürokaufleute, Einzelhändler usw), beim Lernen für die Berufsschule unterstütze.
Diese Jugendlichen haben rein rechtlich und verfahrenstechnisch folgende Gemeinsamkeiten:
• Sie haben nach dem Ende der Schulpflicht keine Lehrstelle gefunden und wurden vom AMS zugeteilt („JASG“ bzw. „BAG30“; meist kann man sich einen Beruf von ca. 15 aussuchen, kann die Lehre beim Maßnahmenträger absolvieren, aber auch jederzeit auf den ersten Arbeitsmarkt zurück.)
• Sie haben entweder ein positives Abschlusszeugnis – dann sind sie „regulär“
• Oder sie waren ASO beschult, oder haben ein negatives Abschlusszeugnis und/oder sind verhaltensmäßig auffällig – dann sind sie „integrativ“ (Wenn es in manchen Jahren keine Integrativlehrgänge gibt, weil das AMS keine ausschreibt, sind alle „regulär“)
• Sie haben oder hatten zu einem großen Teil Erfahrung mit: Missbrauch/Drogennutzung/Vernachlässigung/Gewalt/Vormundschaft Jugendamt/Obdachlosigkeit/Armut/Schulden/Jugendstrafen (jede beliebige Kombination möglich), sind also nach der Definition von Gerda Holz (in Lernen, 2006,Wissen für Lehrer) vom kindbezogenen Lebenslagetyp „Kinder mit multipler Deprivation“ und haben Defizite zumindest auf zwei Ebenen, der kulturellen und Bildungslage sowie ihrer sozialen Lage.

Ausgangssituation
Bis ich mich für den Aufbaulehrgang entschlossen hatte, hatte ich schon mehrere Möglichkeiten geprüft, welche Uni mich für einen Master of Education annehmen würde – die Lebens- und Lerngeschichten dieser „verlorenen Kinder“ beschäftigten mich zunehmend. Ich stellte und stelle diverse Hypothesen auf, warum sie in den Maßnahmen sitzen und ob diese Maßnahmen überhaupt den gewünschten Erfolg bringen können.
Da das Thema sehr ausbaufähig ist und daher für eine Bachelorarbeit eventuell zu umfangreich, habe ich versucht, mögliche Themen einzugrenzen:

Themenkreis 1
Aufbauend auf den Arbeiten von Beer, Kutalek, Schnell über den Einfluss des Milieus auf die Schulleistung sowie des Unicef Berichts von 2002 („Children sorted for life“) u.a.
Könnte ich den neuerlichen Nachweis bringen, (durch die Möglichkeit des vorhandenen statistischen Materials) dass
• Wenn man im 10., 11., oder im 21. Wiener Gemeindebezirk geboren ist und dort beschult wurde, man überproportional oft in einer „Ausbildungsmaßnahme“ landet
• Dass der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund (95%) in den Ausbildungsmaßnahmen weder der Wahrscheinlichkeit noch der Normalverteilung entspricht. (Gegenprobe: Jugendliche ohne Migrationshintergrund sind zu 100% entweder sozial auffällig, also „amtsbekannt“, oder verhaltensauffällig i. S. von SPZ Vergangenheit oder SPF)
• Dass je bildungsferner und arbeitsmarktferner die Eltern sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese/r Jugendliche in einer Maßnahme sitzt.
• Armut und Unbildung immer noch „vererbbar“ ist.
Themenkreis 2
Die Art des Maßnahmenaufbaus, die Qualifikationsvorschriften für Ausbilder und Trainer sowie die rechtlichen Hindernisse tragen zur „Verstetigung des Misserfolges“ (vgl. Stangl-Taller) bei, bereiten bestenfalls auf die Arbeitslosigkeit oder auf eine Hilfsarbeit vor und pepetuieren ein System der Abhängigkeit von Ämtern und Behörden und verhindern das Erlernen von Schlüsselkompetenzen.
• Die Jugendlichen haben aus ihrer Lebensgeschichte heraus keine positiven „role models“ erlebt, weder für den schulischen noch für den Arbeitsmarktbereich.
• Durch die Maßnahme werden sie bewusst weiter exkludiert, sie lernen während der gesamten 3 (integrativ 4) Jahre keine „richtige“ Firma kennen
• Auch lernen sie den Zusammenhang zwischen gelungener eigener Arbeit (Zielerreichung, Belohnungen, Scheitern etc) und Entlohnung gar nicht kennen
• Sie lernen sämtliche Markthebel nicht kennen, da das Wirtschaften mit Gewinn den Maßnahmenträgern untersagt ist, es gibt kein Angebot, keine Nachfrage, keine Kunden.
• Arbeit und Lohn und Selbstwert sowie selbstbestimmtes Leben haben also keinen Zusammenhang mehr. Der Lohn kommt vom AMS, und später eben wieder die Arbeitslose….
• Dieses „So-tun-als-ob“ in Seminarräumen teilweise ohne Arbeitsmittel führt zu einem Mangel an Erfahrung und einem Mangel an Wissen.
Themenkreis 3
Die Art des Unterrichts in den von den Jugendlichen absolvierten Volksschulen, den Hauptschulen und später den Berufsschulen begünstigt die Stillen und Braven, die jedoch keine Fertigkeiten erworben haben müssen, um ein positives Zeugnis zu erlangen.
• Viele der Jugendlichen sind sekundäre Analphabeten und beherrschen die Grundrechnungsarten nicht, haben jedoch ein positives HS Zeugnis
• Die Jugendlichen aus einer Wiener ASO haben mehr Wissen, Lese- und Rechenfertigkeiten und soziale Kompetenzen als die Abgänger einer regulären Hauptschule in bestimmten Wiener Bezirken.
• Die Berufsschule unterrichtet alle gleich – Integrative und Reguläre. Da dies jedoch nicht funktioniert (ASO Beschulte haben oft kein Englisch gehabt, auch können sie bestenfalls die Grundrechnungsarten), behilft man sich mit dem Wiederholen von Tests, bis endlich das eine fehlende Genügend erreicht ist, und der Lehrer nicht nochmal wiederholen muss.
• Der Unterrichtsstil der Ausbilder und Trainer sowie der Berufsschullehrer orientiert sich am alten lehrerzentrierten und /oder autoritären Stil und bevorzugt Frontalunterricht. Dreißig Jahre Reformpädagogik haben nie stattgefunden.
Themenkreis 4
Zusätzlich zu einer theoretischen Arbeit aus einem der oben genannten Themen möchte ich einen Film über die „verlorenen Kinder“ machen, wo sich Unterrichtssequenzen und qualifizierte Interviews abwechseln. Aufzeigen möchte ich, dass
• Die meisten Ausbilder und Trainer gar keinen Augenkontakt aufnehmen mit den Jugendlichen
• Deren Lebenslagen nach bestem Wissen und Gewissen ignorieren, weil sie nicht ausgebildet sind und keine Ahnung haben was sie tun könnten
Das Beispiel, das die Initialzündung bewirkt hat:
Christian, ein integrativer Florist (integrativ wegen Verhaltensauffälligkeit/ psychotische Schübe) kommt mit einem Samuraischwert in den Unterricht. Der Ausbilder, ein gelernter Florist, fühlt sich sofort provoziert, kommt zu mir und erklärt mir , Christian mache dies sicher nur, um ihn persönlich zu ärgern. Er werde nunmehr ein Gespräch mit der Leitung für ihn vereinbaren (ein beliebter „pädagogischer“ Kniff bei diesem Maßnahmenträger).
Zwei Stunden später sehe ich Christian auf einem Sessel neben dem Leistungsbüro sitzen, - er wartet. Nach einer weiteren Stunde wartet er noch immer. Ich gehe auf ihn zu und frage ihn, wie es ihm geht. Sein schuldbewusster Blick und sein Winden zeigt mir, dass er ohnehin genau weiß, dass er etwas angestellt hat. Während ich mit ihm spreche, gehen mehrere Ausbilder an uns vorbei. Keiner würdigt ihn auch nur eines Blickes.
„Christian, warum hast Du ein Schwert mitgebracht?“ frage ich ihn geradeheraus. „Ach, Frau Susanne, das brauche ich doch nur, WENN MIR WIEDER KEINER ZUHÖRT“ sagt Christian. Und schaut unglücklich.
Wie geht die Geschichte aus? Christian bekommt eine schriftliche Verwarnung, es hört ihm noch
immer niemand zu. Noch eine Verwarnung, und er wird gekündigt.
In den nächsten Tage habe ich bewusst darauf geachtet, wie und ob die Ausbilder, Trainer und pädagog. Zusatzkräfte mit den Jugendlichen Kontakt aufnehmen.
Fazit: In 9 von 10 Fällen nimmt der Ausbilder etc. keinen Augenkontakt auf, spricht den Jugendlichen auch nicht an.
(Gestern hatte ich Vertretung in einer Gruppe die ich sonst nie habe. Ich rief Markus zu mir, damit er mir beim Tragen von Arbeitsmaterial hilft. Als er auf mich zutrat, strahlte er über das ganze Gesicht und sagte überglücklich, aber ganz verwundert: „Sie kennen meinen Namen, Frau Susanne!“)
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Mittwoch, 4. März 2009

Wegen dieses Artikels wurde mein Vertrag gelöst:

Das Universum ist unendlich, aber auch...siehe Einstein

M*** ist in einer Maßnahme. Das ist er, weil er unter einer progressiven Netzhautablösung leidet, auch sein Gehör lässt nach. Und weil weder dem AMS noch seinen Eltern (man muss nachsichtig sein, es handelt sich hier um bildungsferne Schichten, auch möglicherweise um etwas antriebslahme Personen) etwas Besseres eingefallen ist, ist er eben der Maßnahme zugeteilt.
Eine Verkettung unglücklicher Umstände hat ihn zu den Bürokaufleuten geführt: Seine BOCO Trainer waren offenbar überfordert mit dem Suchen adäquater Einrichtungen, seine Betreuerin jetzt findet, dass er genau richtig ist - immerhin habe er einen großen Bildschirm (zum Vergrößern von Schriften). Nur in der Schule gehe es ihm nicht so besonders....
Der Bub gehört ans BBI (Bundesblindeninstitut) wo er JETZT, so lange er noch die 20 % Sehrest hat, Braille Schrift, 10 Finger System, Orientierungstraining etc erlernen kann.
Ich werde versuchen, die zuständige Person zu überzeugen.
Allerdings habe ich schon im Vorfeld Zweifel, dass sie sich darauf einlassen wird - sie ist auch zuständig für eine andere Gruppe, in der ich einen Lesetest (IGLU, für die 4. Klasse Grundschule) mit den Lehrlingen gemacht habe.
Der Lesetest zeigte ganz deutlich: Mindestens die Hälfte hat große Schwierigkeiten beim sinnerfassenden Lesen (sie schaffen mit 15 - 17 Jahren den Grundschultest nicht), das ist auf die miesen Schulen zurückzuführen, in denen sie waren und natürlich auf den Migrationshintergrund.
Als ich das Ergebnis präsentierte, meinte die Ausbilderin der Gruppe: "Das glaube ich nicht, ich habe andere Erfahrungen"
Die zuständige Betreuerin saß daneben und stimmte zu.

Ok, die beiden haben das Sagen. Ich bin nur Auftragnehmerin. Wenn die beiden finden, die Lehrlinge könnten lesen, dann ist das wohl so.
(Wahrscheinlich hab ich auf der Pädagogischen Akademie und jetzt auf der Pädagogischen Hochschule die falschen Dinge gelernt, ich muss mal mit den Profs darüber reden!)

Nachtrag von heute: Der Artikel war 14 Tage lang offline, so war der Deal, und da mein Vertrag heute endete, ist er wieder online, mit einem Zusatz:
Bekrittelt wurde nicht etwa Unrichtigkeit der Darstellung oder falsche Fakten, sondern die Tatsache, dass ich darüber geschrieben habe - JEDER der mich kennt, würde wissen, welches Institut etc gemeint sei.

By the way: Im letzten Gespräch erzählte ich der Betreuerin, dass der Jugendliche mittlerweile "r" und "t" auf der Tastatur verwechselt und ich daher das Gefühl habe, dass seine Sehkraft weiterhin nachlässt. Darauf antwortete sie ziemlich aufgebracht, er sei gut versorgt und ginge ohnehin einmal in der Woche zu einem Kinesiologen.

(Bevor ihr da draußen jetzt nach Worten ringt: der gängige Ausdruck auf der Uni dazu ist "intellektuell unredlich trainieren/unterrichten")

Stand der Dinge:
Aus dem Projekt bin ich raus. (Bin aber schon wieder versorgt, danke)

Der Jugendliche ist allerdings noch drin (wenn er nicht grad beim Kinesiologen ist, gell)
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Donnerstag, 12. Februar 2009

Meine Mädels....

- meine Bürokauffrauen haben die Lehrabschlussprüfung geschafft - heute war letzter Tag, wir haben einander umarmt und geküsst, ich bin ein bissl traurig...aber auch glücklich: weil sie es geschafft haben und weil sie alle so schön sind und so jung - ich wünsche ihnen allen, dass sie ohne Umwege (über irgendwelche Machodeppen oder traditionelle türkische Männer) ihre Träume finden, und einen Job natürlich.
Auch die Köchinnen sind alle durchgekommen - was wird aus ihnen werden? Werde ich sie wiedersehen oder verschwinden sie zu irgendwelchen Ehemännern nach Indien, Serbien oder sonst wohin?
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Samstag, 6. Dezember 2008

Mädchenschicksal, wir schreiben 2008, Mitteleuropa

Weil ich gestern meine Mädels fotografiert habe (stellvertretend für viele) musste ich an die vielen Gespräche denken, die ich in letzter Zeit mit ihnen geführt habe.

- Viele werden nach dem Ende der Lehrzeit (Februar 2009) verheiratet werden, die Eltern haben schon einen Cousin in der Türkei ausgesucht....die hübschen unter meinen Mädels sind schon ein paar tausend Euro wert an Brautpreis, auch die weniger hübschen sind noch teuer, weil sie die österreichische Stattsbürgerschaft haben.

- Einige davon entschließen sich freiwillig zur Heirat, weil es die einzige Möglichkeit ist, dem Elternhaus zu entkommen. Wenn sie bleiben, dürfen sie nicht arbeiten, nicht ausziehen, sie sind nur eine Sache, keine Menschen. dass sie einen wesentlich höheren Preis bezahlen, wenn sie den "Cousin" heiraten, wissen sie nicht.

- den Serbinnen, Albanerinnen und den Romamädels diverser Staatsangehörigkeit gehts ähnlich.

Da kann man eh nichts machen, erklären die Mädels. Die Alternative ist der völlige Bruch mit der Familie, das Untertauchen mit Hilfe des Orient-Express

http://www.orientexpress-wien.com/Frames/index.html

(Gut dass es Euch gibt!!!!! Wir haben Euch schon öfter gebraucht!)

In Deutschland finden die Mädels übrigens hier Hilfe:

http://www.papatya.org/
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Freitag, 5. Dezember 2008

Lale, Dafina, Didem

Meine drei "Adoptiv"töchter.....alle drei sind Single!
Aber was noch viel wichtiger ist: Alle drei suchen eine Stelle im Büro, sie werden im Februar mit der Bürokauffrau- Lehre fertig!
didemlaledafina
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Sonntag, 23. November 2008

Eine Frage der Wirklichkeit......

Am Freitag war ich mit der gnädigen Frau Tochter beim Tag der offenen Tür im Gymnasium Biondekgasse in Baden bei Wien.
Mir hat es ausgesprochen gut gefallen, aber nach fünf Stunden hatte ich ein eigenartiges Gefühl.

Nachdem ich gut in mich hineingehört hatte, kam ich zu folgender (für mich sehr schlimmen) Erkenntnis:

Ich bin es nicht mehr gewöhnt, mit Jugendlichen zusammen zu sein, die ganz ok, ganz gesund, unbeschwert und ganz normal sind (rein deskriptiv, bevor jetzt wieder irgendwer...)

Ich habe ihnen in die Gesichter geschaut: Und wo ich bei "meinen" jederzeit Anspannung, Leid, Vorsicht, Schmerz, Abwesenheit wegen diverser Drogen, "Ver-Schlagenheit" (im Wortsinn!) und Resignation sehen kann, und das offensichtlich gewöhnt bin, konnte ich in diesen Gesichtern nur Neugier, Witz, Leuchten, Lachen und Offenheit sehen.

Unnötig zu bemerken, dass auch die Sprache (im Sinn von Soziolekt) , die ich überall hören konnte, eine andere war.

Ebenso unnötig zu bemerken, dass alle Kids dort im übertragenen Sinn "blond und blauäugig" sind. Sollte es an der Schule Kinder mit Migrationshintergrund geben, so müssen die an dem Tag krank gewesen sein.

DAS ist also die andere Wirklichkeit.

(Andererseits bin ich ja selbst so aufgewachsen, mein Gym war ähnlich vom Gefühl her)

Wenn man den Unterschied wieder mal sieht, empfindet man umso stärker die Sauereien, die mit den Kindern der Sozialmaßnahme passieren....
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Dienstag, 4. November 2008

Eine gute und eine schlechte Nachricht - oder?

Unser Phillip hat die Lehrabschlussprüfung mit gutem Erfolg bestanden - wir sind stolz, erleichtert und freuen uns mit ihm. Immerhin ist er schwerer Epileptiker, dessen Mutter und Stiefvater ihn am liebsten irgendwo abgeben würden, oder irgendwo vergessen....
Jedenfalls hat sein Stiefvater, diese Kreatur, ihm gesagt, wenn er als blöder Behinderter einen Lehrabschluss schafft, dann zerreißt er seine Zeugnisse, weil die sind nichts mehr wert.....
Das hat dazu geführt, dass er völlig fertig ist, der Bub.
Die Kollegin, diese göttliche kleine Furie, (1m55 böses kleines Weib!) hat den sogenannten Vater angerufen, um ihm die gute Neuigkeit zu erzählen - er könne jetzt seine Zeugnisse ruhig zerreißen......
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Samstag, 1. November 2008

Ein Karriere beginnt

Der Karl und der Peter sind alte Freunde, die schon gemeinsam vor dem Richter standen. Damals waren sie fünfzehn. Jetzt sind beide bei mir im Berufslehrgang, weil, Lehrstelle kriegen die keine. Drei Jahre auf Bewährung wegen schweren Raubes, wie mir der Peter kleinlaut erzählt. Er weiß gar nicht, wie er dazu kommt, sagt er. Sie hätten ihn zum Aufpassen an der Ecke stehen gelassen und die Bullen hätten ihn erwischt. Der Peterl ist langsam. Im Denken, im Handeln, im Lernen sowieso. Ich glaub ihm unbesehen, dass er bis heute keine Ahnung hat, wie ihm das passiert ist.
Der Karl ist ein anderes Kaliber. Sechzehn und einen Blick wie ein Dreißigjähriger. Der Stiefvater verprügelt ihn, und die Mutter ist mit ihm per Straßenbahn ins Burschenwohnheim geflüchtet. Jetzt hat er nur mehr eine Reisetasche und ein Plastiksackerl.
Aber er ist gescheit. Und aufs Überleben bedacht. Er denkt nur an sich selbst, weil ihm hilft eh keiner, davon ist er überzeugt.
Vor einer Woche hat ein Mädel im Lehrgang erzählt, dass ihr Vater sich jetzt auch an ihrer siebenjährigen Schwester zu vergehen versucht. Vielleicht will sie jetzt doch Anzeige erstatten. Für sich selbst tut sie es nicht, die Mutter hat ihr gesagt, sie könne der Familie doch nicht den Vater nehmen. Aber die Kleine soll nicht dasselbe mitmachen wie sie.
Der Karl steht irgendwo neben uns, als sie das erzählt. Und er tut für seine Verhältnisse etwas Großartiges: Er bietet völlig ohne Vorteil für sich selbst Hilfe an: " Brauchst nur sagn, i und meine Habara machn den Alten meier, wenns wüllst!"
Ich drehe mich weg und mache schnell was Anderes, damit ich nicht automatisch "Bravo Karl" sage, weil ich so wütend auf den Vater des Mädels bin und so stolz auf den Karl, der das erste Mal in seinem Leben etwas Uneigennütziges tun will.
Später telefoniere ich mit dem Jugendamt. Eine gelangweilte Sozialarbeiterin sagt widerstrebend zu, sich die Sache anzuschauen, wenn sie Zeit hat.
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e-mail me!

netbaby.sanni(at)gmail.com

Musik die mich glücklich oder traurig macht.....

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Bücher, die so tröstlich sind, dass sie das Leben ersetzen.....

Neil Gaiman
Neverwhere

Gaiman/Prachett
Good Omens

Neil Gaiman
Stardust


Italo Calvino
Der geteilte Visconte


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